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Zitat der Woche: Die Wildsau im Garten

von Andreas Hensler

»Die CSU ist als Wildsau aufgetreten, sie hat sich nur destruktiv gezeigt«, Daniel Bahr

Die Wildsau scharrt im Garten der Gurkentruppe

Der Zoff in der Koalition dauert an, diese Woche bekam er eine neue Form: Schrebergartenmetaphorik. Jetzt gibt es keine FDP und CSU mehr, sondern nur verfeindete Wildsäue und Gurkenbeetbesitzer. Eigentlich wollte Schrebergärtnerin Merkel die ersten Sonnenstrahlen genießen,  doch gegen Wildsäue und Gurkentruppen ist kein Kraut gewachsen.

Kämpfen zwei Rivalen miteinander, dann wird mit den Hinterbeinen gescharrt, der Kiefer gewetzt. Es bildet sich Schaum am Maul, der Kopf ist gesenkt. Verlässt bis dahin kein Beteiligter das Duell, kommt es zum echten Kampf mit Hieben gegen Bauch und Körperseite. Schlimmstenfalls kann es zu heftig blutenden Verletzungen führen. Zum Ende des Kampfes kommt es erst, wenn eines der Tiere flieht.

Der Gurkentruppe den Stall einrennen

Doch  aus dieser Koalition wird niemand fliehen, vorerst. Da heißt es, trotz Freilaufgehege im Stall zu bleiben. Dann schießt die CSU lieber zurück: Eine liberale Gurkentruppe sei die FDP, Merkel bremst. Wohin rennt denn nun der Wildsaurudel? In Bayern beben die Alpen,  der Frankenwald wackelt, der Chiemsee schäumt und man spürt das Flattern der Knie. Doch es ist kein Tsunami, es ist die CSU, die alte Wildsau, die der „liberalen Gurkentruppe“ am liebsten den Stall einrennen würde. Dobrindt, CSU-Generalsekretär, poltert weiter: „Bei der FDP sind zwei Sicherungen durch geknallt, und die heißen Bahr und Lindner.“ Die FDP, die Probleme bei der „Frustbewältigung“ hätte, schießt in Persona Daniel Bahrs, Staatssekretär im Gesundheitsministerium, zurück und wirft Seehofer „Totalverweigerung“ vor.

Keiler bäumt sich auf

Ob je wieder Frieden zwischen CSU und FDP einkehrt ist ungewiss. Der Autor Jean de La Fontaine sah schon im siebzehnten Jahrhundert einen derartigen Kampf zum Scheitern verurteilt: „Da bäumt sich noch einmal Leben in dem Keiler auf und er greift den Schützen an und verwundet ihn tödlich. Dann sinken beide nieder und das Wildschwein haucht sein Leben auf der Leiche des Mannes aus.“

14 Juni, 2010 Kein Kommentar

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