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„Müll abstellen verboten“

von Sophie Rebmann

Foto: Sophie Rebmann

„Müll abstellen verboten“: Neben dem Schild steht – zum Trotz? – jeden Tag der Müll. Gegen Ende des Tages stapelt er sich zu einem großen Haufen.

Nicht ungewöhnlich ist es, dass der Müll hier in Plastiktüten am Wegrand abgestellt wird oder am Gartenzaun hängt. Denn nachts kommt täglich die Müllabfuhr und sammelt jede einzelne Tüte ein.

Lange habe ich mich innerlich aufgeregt über die Plastiktüten, in deren Flut man hier in Bosnien fast versinkt. Egal ob essich um das Brötchen beim Bäcker handelt oder nur einen einzelnen Joghurt aus dem Supermarkt: In jedem Laden werden die Einkäufe schnell und geübt von der Verkäuferin in einen der rosa, blauen oder weißen Plastiksäcke verstaut, noch während ich nach meinem Geld suche. Effizienter wären die wiederverwertbaren deutschen Baumwolltaschen, die ich nun immer mit mir herumtrage. Dennoch verliere ich im Plastiktütenkampf mit der Bäckerin kläglich. Sie kann nicht verstehen, warum ich das Brot in der Hand nach Hause tragen will und steckt mir es täglich mit einem großmütterlich sorgendem Lächeln in eine neue Plasticktasche.

In gewisser Weise werden die Plastiktüten, mindestens teilweise, wiederverwertet: Normalerweise verzichten die Menschen auf extra gekaufte, große Mülltüten und stecken den Müll in die kostenlos im Laden erhaltenen Tüten.

Effizienter und umweltfreundlicher wäre auch eine Mülltonne für jeden Haushalt. Sie wäre langsamer voll als eine Plastiktüte und die Müllabfuhr müsste seltener kommen.

Aber diese müsste erst einmal flächendeckend organisiert werden – und das in einem Land, in dem der Alltag noch oft unorganisiert ist.

24 Januar, 2011 Kein Kommentar

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