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Die Kunst, kein Egoist zu sein

von Kevin Weber

Nach seinem Bestseller „Wer bin ich – und wenn ja wie viele?“ führt uns Richard David Precht erneut auf eine philosophische Reise. Er zeigt uns, ob und wie es möglich ist, in einer (un)moralischen Welt kein „Egoist“ zu sein und noch viel mehr.

Wir Menschen wollen alle nur „das Gute“. Doch was ist „das Gute“? Und wenn jeder gut sein will, warum gibt es in der Welt dennoch Mord und Totschlag? Ist vielleicht jeder Mensch nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht? Sind wir „Egoisten“? Was überhaupt ein „Egoist“ ist und andere Antworten auf endlose Fragen erhalten wir in Richard David Prechts neuem Buch „Die Kunst, kein Egoist zu sein“. Durch gekonntes Abwiegen von anschaulichen Beispielen, Experimenten, Lebensgeschichten und philosophischen Thesen findet Precht ein gutes Mittelmaß. Er ermöglicht selbst weniger Philosophie-Erfahrenen einen ausführlichen Blick über den Tellerrand hinaus. Leider gehört dazu eine ganze Menge Geduld und Durchhaltevermögen.

Sollen und Wollen, Sein und Zukunft

Das Buch besteht aus drei Teilen plus Einleitung und Anhang mit ausführlichem Quellen- und Personenregister. Jeder Teil beinhaltet mindestens zehn Kapitel.

Im ersten Teil werden grundlegende Dinge im Bezug auf moralisch „richtiges“ und „falsches“ Verhalten behandelt. Der nächste Teil befasst sich mit moralischem Verhalten in der Praxis. Ob das, was der Leser über Menschen und seine Verhaltensweisen erfahren hat richtig ist und wie sich das auf die Gesellschaft auswirkt behandelt Richard David Precht zum Schluss.

Unkonventionelle Hippieaffen und ihre neidischen Artgenossen

Fließend sind die Übergänge zwischen den Kapiteln. So gelangt der Leser von Platons Idee des Guten zum Engländer Hobbes, der von Platons Idee nicht viel hält. Um viele Aspekte der Philosophie zu beleuchten, wirft der Autor mit Namen, Professoren, Universitäten und Zitaten um sich. Der Leser lernt nicht nur den Russen Kropotkin, den in Israel geborenen Nobelpreisträger Daniel Kahneman, den schottischen Anwaltssohn David Hume, den Franzosen René Descartes und Ludwig Wittgenstein aus Österreich kennen, sondern bekommt auch Einsichten in verschiedenste Lebensweisen und Kulturen.

Was hat der Begründer der Relativitätstheorie Albert Einstein mit Philosophie am Hut?

Der Leser erfährt nicht nur etwas über philosophische Theorien, sondern auch viel über das Leben der Philosophen selbst. Das lässt einen manche Ansichten leichter nachvollziehen.

Viele Vergleiche sind leicht verständlich und bringen den Leser zum Schmunzeln.

„Bonobos […] sind Hippieaffen, bei denen sich jeder mit jedem sexuell austoben kann“ (Seite 201).

Die Beziehung zwischen den menschlichen Vorfahren und den heutigen Menschen nimmt eine entscheidende Rolle ein. Anschauliche Beispiele, wie mit dem Schimpansenmännchen Freddy im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste, das ein verwaistes Affenkind aufzog, zeigen erstaunliche Parallelen zwischen Menschen- und Tierwelt auf. Sogar auf der Osterinsel im Südpazifik landet der Leser und erfährt, dass Kapuziner-Affen neidisch auf ihre Artgenossen sein können. Ganz wie der Mensch.

25 Januar, 2011 2 Kommentare

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