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Doof it yourself

von Silke Brüggemann

Keine Macht der Volksverdummung! „Doof it yourself“ ist der Nachfolger des Bestsellers „Generation Doof“. In ihrem ersten Werk zeigten die Autoren Anne Weiss und Stefan Bonner, wie doof die Generation der heute „15-45-jährigen“ ist: Sie schauen in ihrer Freizeit lieber Furzwettbewerbe auf Youtube an und verabscheuen jegliche Bildung.

In ihrem zweiten Buch bieten Weiss und Bonner auf knapp 400 Seiten Strategien, damit auch „doofe“ Leser das Leben meistern können. Dazu kommen viele Interviews mit Experten und Promis. „Doof it yourself“ ist als umfassender Ratgeber für alle Lebenslagen gedacht: Bildung, Beruf, Medien, Liebe und Erziehung. Die Autoren haben sich damit ein ehrgeiziges Ziel gesetzt, das sie aber nur durchschnittlich erfüllen.

Der Anfang von jedem Kapitel schürt die Hoffnung auf wertvolle Tipps, wodurch er den Leser zum Weiterlesen zwingt. Aber vergeblich: die meisten Tipps bleiben auf dem Niveau von: „Stelle keine Bilder ins Internet, die dich betrunken zeigen“ oder „Check Deine Hose auf Löcher vor jedem Bewerbungsgespräch“.

Unklar ist, welches Verhältnis die Autoren zur „Generation Doof“ aufbauen wollen. Zu der sie sich als Mittdreißiger zählen. Manche Tipps scheinen gut gemeint zu sein – Allerdings überwiegen Ratschläge der Sorte „Lern einen anständigen Beruf, auch wenn Du zu DSDS willst“. Der erste Teil dieses Ratschlags wirkte schon vor fünfzig Jahren altbacken. An manchen Stellen scheinen die Beiden sogar von oben herab zu ihren Lesern zu sprechen. Viele Szene-Ausdrücke erwecken das Gefühl, dass sich die Beiden nur den Lesern anbiedern wollen. Die Kapitelüberschriften sind nervige Neuschöpfungen, wie Bilding, Arbeiting, Einleiting und Weiterlesing. Sie wollten den Denglisch-Trend auf die Schippe nehmen. Stattdessen wirken sie so lächerlich wie Eltern, die versuchen Jungendslang zu sprechen.

Das einzig Lesenswerte ist das erste Kapitel: Hier geht es um Bildung. Die Autoren geben der Gesellschaft, den Medien und dem Schulsystem Schuld für die Verdummung einer gesamten Generation. Weiss und Bonner zeigen auch wie sich die „Generation Doof“ dagegen wehren kann, indem sie sich doch Bildung aneignet

Leute, die lesen wollen wie dumm andere sein können, werden enttäuscht. Hier bietet das Buch nichts Neues. Wer seine Bildungslücken stopfen will, für den lohnt sich das Buch allein nur wegen des ersten Kapitels. Trotzdem hat dieses Buch einen Nutzen für alle, die sich ab und zu doof fühlen: Sie können heimlich das Ausmaß ihrer Dummheit messen. Zur Not finden sie dann die gängigsten Lösungen, um dagegen anzukämpfen. Für alle anderen hat es einen gewissen Reiz das Buch  durchzustöbern, denn schließlich sind wir doch alle ein bisschen doof – oder?

(Bonner, Stefan; Weiss, Anne: Doof it yourself. Bastei Lübbe, März 2009)

31 Januar, 2011 Kein Kommentar

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