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Urlaubsfeeling auf den Fildern

von Lukas Ramsaier

Foto: Messe Stuttgart

Lukas Ramsaier war für Noir-Online zu Gast auf der CMT 2011- der größten Urlaubsmesse Europas, die jährlich in den Hallen der Neuen Messe auch die geizigsten Schwaben in Urlaubsstimmung bringt und tausende Besucher anlockt.

Es ist immer wieder beeindruckend, egal ob man die CMT noch nie oder schon mehrmals besucht hat: Beim ersten Betreten von Halle 1 der Neuen Landesmesse, kommt man für einen Moment nicht aus dem Staunen heraus. Unglaublich, wie viele Wohnmobile und Wohnwägen hier Platz finden. Und das ist noch nicht alles – in den Hallen 3 und 5 stehen noch einmal genauso viele. Die Vielfalt der Wohnungen auf Rädern ist riesig: Vom kleinen Wohnanhänger mit einem simplen Bett für gerade einmal 4.000 Euro, bis zum luxuriösen Wohnbus mit integrierter Smart-Garage zum Preis eines mittelgroßen Einfamilienhauses, ist alles geboten. Vor allem, die Wohnbusse laden die vielen Besucher dazu ein, einen Blick in das Innere der Luxuskarossen zu wagen. Verkäufer mit „Heiner-Brand-Gedächtnisbärten“ versuchen ausdauernd den Interessierten ihr Model trotz des hohen Preises schmackhaft zu machen. Was man im Inneren sieht, erinnert eigentlich nicht im Geringsten an das typische Campingleben. Sitzgruppen mit feinstem Lederbezug, Badezimmer wie zuhause und Betten, wie in der Suite eines 4-Sterne-Hotels, öffnen den Wohnmobilmarkt damit auch für einen ganz anderen Kundenkreis, als den klischeemäßigen: Das ältere Ehepaar. Der Mann im Unterhemd und einer lila-grauen Jogginghose, der draußen grillt und die Gattin, die mit einem furchtbaren Sonnenhut und der „Bunten“ in der Hand, sich die Sonne im klapprigen Liegestuhl hinter der platzeigenen Hecke auf den Bauch scheinen lässt.

Ein noch viel größerer Bus steht in Halle 2 und obwohl dies eigentlich ein recht gewöhnlicher Reisebus ist lockt er viele Besucher, denn die Botschaft, die sich dem Betrachter auf seiner Außenseite zeigt, ist eine ganz Besondere. Der Anbieter wirbt für eine 10-wöchige Fahrt mit seinem 1st-Class-Bus von Freiburg bis ins ferne Peking. Doch wer setzt sich denn freiwillig 70 Tage lang in einen Bus, der kreuz und quer durch den Orient fährt? Der Betreiber des Busses erklärt aber, dass man auf keinen Fall 70 Tage nur im Bus sitze. „Im Gegenteil: Die Strecke an sich wäre in 20 Tagen zu schaffen, aber das Ziel der Fahrt ist ja nicht das reine Ankommen am Ziel, sondern die Gegenden entlang der Strecke möglichst intensiv kennenzulernen.“ Deshalb residieren die Teilnehmer an jeder Zwischenstation 2-3 Tage lang in Hotels, bevor es dann wieder in weiteren Zwischenetappen immer Richtung Peking weitergeht. So entstehe auch kein Lagerkoller unter den 25 Passagieren. Doch wer sind eigentlich diese Passagiere, die knapp 20.000 Euro für solch eine Reise bezahlen? „Unsere Gäste sind hauptsächlich Senioren, die zum Ende ihres Lebens hin noch mal etwas erleben wollen, Lehrer im sogenannten „Sabbatjahr“ oder Selbstständige“, erzählt der Reiseveranstalter.

Doch nicht nur mit Fahrzeugen versuchen die vielen Aussteller für ihre Angebote Interesse unter den Besuchern zu wecken. So lockt zum Beispiel Irland mit einem traditionell anmutendem „Guiness-Stand“, Peru mit einem Info-Stand im Regenwaldstil oder Bayern mit einem urigen Bierzelt. Aber auch Großveranstaltungen sind beliebte Werbemittel: So präsentiert sich Wolfsburg mit einer Torwand als „Stadt der Frauenfußballweltmeisterschaft 2011“ und Slowenien als Land der Eishockey-WM in diesem Jahr. Das Angebot an Reiseregionen ist einfach riesig – von Hamburg bis Hawaii, vom Bodensee bis zu den Bahamas und von der Nordsee bis nach Neuseeland – die ganze Welt ist auf der CMT vertreten.

Und das wird sie wohl auch wieder nächstes Jahr sein, denn die CMT verzeichnete auch dieses Jahr erneut Rekordzahlen von über 220.000 Besuchern.

7 Februar, 2011 Kein Kommentar

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