Kachelmann-Prozess: Eine Bilanz
Ursprünglich sollte kurz vor Weihnachten am 21. Dezember das Urteil im Kachelmann-Prozess gesprochen werden. Doch daraus wurde nichts. Die Urteilsverkündung wurde zum zweiten Mal verschoben und wird nun für den 31. März erwartet. Seit knapp vier Monaten wird inzwischen im Saal 1 des Landgerichts Mannheim nach der Wahrheit gesucht.
Länger als 20 Stunden hat die Ex-Geliebte Claudia D. unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor Gericht ausgesagt. Dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird, ist in diesem Prozess keine Seltenheit. Ähnlich wie im Spielfilm „Und täglich grüßt das Murmeltier“ wiederholt sich immer wieder erneut derselbe Ablauf. Jemand beantragt den Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Richter und Schöffen ziehen sich zur Beratung zurück. Nach einer rund 10-minütigen Verhandlungsunterbrechung verkündet der Vorsitzende Richter Michael Seidling seine stets gleiche Entscheidung in fast dem selben Wortlaut: „Für die weitere Vernehmung wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen, da Umstände aus dem persönlichen und intimen Lebensbereich der Zeugin und des Angeklagten zur Sprache kommen deren Schutz das Interesse der Öffentlichkeit deutlich überwiegt.“ Die Journalisten und Zuschauer werden des Raumes verwiesen, Polizeibeamte durchsuchen den Gerichtssaal nach Wanzen und Abhörgeräten. Das öffentliche Interesse nimmt folglich kontinuierlich ab. Am zwölften Verhandlungstag sind nur noch zwei Zuschauer im Publikum, ehe der Ausschluss der Öffentlichkeit verkündet wird. In den Prozess wird kaum Einblick gewährt, umso wichtiger erscheinen die öffentlichen Statements der Prozessbeteiligten. Die Bewertungen könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein. Kachelmann-Anwalt Reinhard Birkenstock verkündet: „Mit jeder Stunde, die die Vernehmung andauert, werde ich zuversichtlicher“. Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge kann darauf angesprochen nur lachen: „Ich halte das für Wunschdenken.“ … weiterlesen













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