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Fahrplansuche

von Alexander Schmitz

Zweites Schlichtungsgespräch zu Stuttgart 21 - Foto: Landeshauptstadt Stuttgart

Zur zweiten Runde des Schlichtungsgespräches zum geplanten Bahnprojekt Stuttgart 21 haben sich Projektgegner und -befürworter vergangenen Freitag im Stuttgarter Rathaus getroffen. Ein Erfolg ist die Einigkeit über den bisher mangelnden gegenseitigen Respekt beider Fraktionen. Besonders bedeutend ist, dass die Bahn bis nächsten Donnerstag einen aktuellen Fahrplanentwurf vorlegen will, anhand dessen die Leistungsfähigkeit des geplanten Tiefbahnhofes geprüft werden kann.

Diesmal nicht anwesend waren Ministerpräsident Stefan Mappus und Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster. Neu hinzu kamen Wirtschaftsminister Ernst Pfister für die Projektbefürworter und auf der Seite der Projektgegner der Vorsitzende der Landtagsfraktion der Grünen, Winfried Kretschmann.

Friedenspflicht

Sofort zu Beginn der Schlichtung wollte Gangolf Stocker für das Aktionsbündnis wissen, was es mit den „L-förmigen Betonplatten“ auf sich hat, die seit Donnerstag im Mittleren Schlossgarten eingegraben werden. Nach der Auffassung der Gegner des Projektes „liegt diese Arbeit außerhalb der Friedenspflicht.“ Die Betonwinkel gehören „zu einem Arbeitsschritt, den wir in den Vorgesprächen als zulässig definiert haben, gemeinsam“, stellt Technikvorstand der Bahn Volker Kefer klar. Sie werden als Begrenzung zum Auffüllen und Verdichten des Unterbodens benötigt. Beide Seiten wollen die Betonwinkel bis nächsten Donnerstag angebracht haben. … weiterlesen

30 Oktober, 2010 1 Kommentar

Runder Tisch, aber keine runde Sache

von Alexander Schmitz und Clara Dupper

Heiner Geiߟler - Foto: Landeshauptstadt Stuttgart

Alle Fakten zum Bahnprojekt Stuttgart 21 sollen dargelegt und diskutiert werden, das haben Befürworter und Gegner zusammen mit dem Schlichter Heiner Geißler beschlossen. Bis Ende November wollen sie sich mindesten einmal in der Woche zu Vermittlungsgesprächen im Stuttgarter Rathaus treffen. Vergangenen Freitag fand die Premiere der Gesprächsreihe von zehn bis siebzehn Uhr statt. Sieger des Gesprächs ist jedoch allein Heiner Geißler, der die Diskussion charmant moderierte, denn allzu viele Fragen blieben offen.

„Wir können in dieser Schlichtung keinen neuen Bahnhof erfinden und was die Topografie betrifft, können wir leider Stuttgart auch nicht zu einer ebenen Stadt machen“, stellte der 80jährige CDU-Politiker Heiner Geißler rasch nach Beginn der Gespräche über die strategische Bedeutung und die Leistungsfähigkeit des Bahnprojektes klar. Er forderte eine „Versachlichung der Auseinandersetzung“ und eine Lösung in der Mitte, wie bei einer Tarifschlichtung. Dabei  müssten zuerst in einer Sach- und Fachschlichtung gemeinsame Grundlagen zwischen den Gegnern- und Befürwortern des Großprojektes Stuttgart 21 erarbeitet werden. Der ‚Faktencheck‘, wie es Ministerpräsident Stefan Mappus genannt habe, müsse zu einer gemeinsamen Bewertung der Fakten führen. In vielen Fällen werde dies gelingen, aber nicht in allen, weshalb danach jede Seite die Konsequenzen ziehen müsse, die sie für richtig hält.

Aufgabe der Politik

Stuttgart 21 wurde demokratisch legitimiert, allerdings sei es in einer modernen Mediendemokratie die Aufgabe der Politik, Beschlossenes immer wieder während der Realisierung den Menschen zu erläutern und zu begründen. Dazu soll die Schlichtung beitragen. Es ist ein großer Fortschritt, dass sich Gegner und Befürworter des Projektes zur Diskussion an einem Tisch treffen, da sie dadurch zeigen, dass sie eine fachliche Auseinandersetzung für richtig halten, betont Geißler und forderte: „Wir wollen hier keine Predigten hören und keine Glaubensbekenntnisse und wir machen hier auch kein historisches Seminar.“ Es solle sich nicht auf Vergangenes bezogen werden, sondern auf aktuelles und zukünftiges. … weiterlesen

26 Oktober, 2010 Kein Kommentar

Aus Protest aufs Dach

von Katharina Tomaszewski

Florian Carl - Foto: Katharina Tomaszewski

Florian Carl ist seit vier Jahren Gegner des Projekts Stuttgart 21. Als die Deutsche Bahn vergangenen Mittwoch (25.08.10) mit den Abrissarbeiten begann, stieg er aus Protest für einen Tag auf das Dach des Nordflügels. Im Gespräch erzählte er von seinen Erfahrungen mit der Polizei und der Stuttgart 21 Gegenbewegungen.

Stuttgart – Der Abiturient Florian Carl ist seit einem halben Jahr täglich am Bauzaun. Er demonstriert und redet mit den Leuten über die Nachteile des Bauprojekts. „Stuttgart 21 vereint die Leute. Durch die Proteste wird Stuttgart zu einer wacheren Stadt, die Bürger sind politisch offener geworden“, findet der 20-jährige. Zum ersten Mal habe sich in Stuttgart eine Demonstrationskultur entwickelt.

Den geplanten Runden Tisch hält er für ein vorgegaukeltes Gespräch. „Mich ärgert die Arroganz der Verantwortlichen und wie sie mit den Bürgern umgehen“. Die Gegner fordern nicht nur einen Baustopp sondern auch ein Vergabestopp, damit das Projekt nicht noch teurer wird wenn es jetzt abgebrochen wird.

Das aufs Dach klettern bezeichnet Florian als eine „total spontane Aktion“, sie geschah aus der Hilflosigkeit unten zu stehen und nichts machen zu können. Es war nicht einfach an den Polizisten vorbei zu kommen, weil sie überall am Bahnhof präsent waren. „Wenn man sich so etwas überlegt, dann versucht man das Risiko zu minimieren daran gehindert zu werden.“ Die Polizei sei aber auch sichtlich überfordert gewesen an diesem Tag. Auf dem Dach angekommen, versuchten Einsatzkräfte von der Landespolizei und der Bundespolizei immer wieder die sieben Demonstranten vom Dach zu holen. „Wir saßen stundenlang in der Sonne, die Polizei verhinderte die ersten sechs Stunden, dass uns jemand Wasser und Essen hochbrachte“, beschwert sich Florian. Die Polizisten versuchten sie immer wieder mit Psychotricks vom Dach zu holen, jedoch ohne Erfolg an diesem Tag. Abends unterstützten mehr als 200 Demonstranten die sieben auf dem Dach, indem sie vor dem Bauzaun Nachtwache hielten. Sie riefen immer wieder: „Ihr da oben, wir da unten sind im Widerstand vereint“. … weiterlesen

3 September, 2010 Kein Kommentar

S21-Demonstration behinderte Versorgung mit Blutkonserven

von Alexander Schmitz

Stuttgart – Demonstranten gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 behinderten am Mittwoch, den 25. August, mit ihren Straßenblockaden die Versorgung von Krankenhäusern mit Blutkonserven und Blutprodukten für dringend notwendige Operationen.

Stuttgarts Krankenhausbürgermeister Klaus-Peter Murawski fordert deshalb: „Die Versorgung mit Blutkonserven und Blutprodukten darf keinesfalls in Gefahr geraten.“ Er appelliert an alle Demonstranten, Fahrzeuge mit einem Schild ‚Achtung! Eiliger Bluttransport‘ reibungslos passieren zu lassen. Dies meldete der Pressedienst der Stadt Stuttgart.

27 August, 2010 2 Kommentare

Der Abriss hat begonnen

von Katharina Tomaszewski

Stuttgart – Jetzt gibt es kein zurück mehr. Die Deutsche Bahn AG hat am Mittwoch begonnen, die Mauern des Nordflügels des Stuttgarter Hauptbahnhofes abzutragen. Mit Baggerbissen wurden nach und nach die oberen Stockwerke beseitigt. Einige Demonstranten versuchten dies zu verhindern und stiegen sogar auf das Dach. Oben angekommen hielten sie ein Transparent hoch auf dem sie den Rücktritt von Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) forderten. Die Polizei konnte sie jedoch überwältigen und vom Dach holen.

Abends demonstrierten hunderte Stuttgart 21-Gegner, einige mit Megaphonen, Pauken und Trillerpfeifen ausgestattet, lautstark am Hauptbahnhof. Dort verstopften sie die Straßen, so dass der Auto- und S-Bahnverkehr blockiert wurde und sich ein Stau bildete. Gegen 20 Uhr liefen die Demonstranten lärmend, über die Schillerstraße, auf die Konrad-Adenauer-Straße (B14) und behinderte hier ebenfalls den Verkehr.

Die S 21-Gegner geben nicht nach. Vor dem Nordflügel des Hauptbahnhofes sind rund um die Uhr Menschen die gegen das Bahnprojekt demonstrieren, mit Plakaten auf sich aufmerksam machen oder Passanten über dessen, aus ihrer Sicht, Nachteile informieren. Rund um die Uhr stehen mit Schlagstöcken bewaffnete Einsatzkräfte der Polizei auf dem Areal des Hauptbahnhofs. Mehrere dutzend Polizeiwagen stehen hinter dem Bahnhof für jede Situation bereit. Bisher kosteten die Polizeieinsätze, während der S 21-Demonstrationen, die Stadt Stuttgart schon über 1 Million Euro. Fritz Mielert ist einer der Sprecher der „Stuttgart 21“-Gegner und kündigte im Deutschlandradio Kultur an, dass die heftigen Proteste noch mindestens ein Jahr anhalten würden. … weiterlesen

26 August, 2010 Kein Kommentar

Aktuelle Print-Ausgabe (NOIR 19)

Nachbarn kann man sich zwar nicht aussuchen, aber man kann ihnen begegnen. Und das tun wir von den unterschiedlichsten Seiten: Wie leben Nachbarn in Andalusien, im Nahen Osten, im Klassenzimmer? Außerdem geht es in der NOIR um Hamster-Missverständnisse, Streber-Opas und plötzlichen Postboten. Ihr lest von den Kriegsnarben in Bosnien-Herzegowina und zwei Studentinnen, die spontan im Westjordanland einen Dokumentarfilm gedreht haben. Besser nicht verpassen.
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