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Im Herzen der Demokratie

von Melanie Michalski

Foto: Ralf Michalski

Was erwartet einen eigentlich im Reichstag? Autorin Melanie Michalski nimmt euch mit auf eine Führung.

52 Meter erhebt sich das hohe Herz der deutschen Demokratie vor mir: der Reichstag mit seiner gewaltigen Glaskuppel. „Ab hier warten Sie noch 20 Minuten“ – das Schild steht beinahe am Anfang einer schier endlosen Menschenschlange, die sich unter der Widmungsschrift „Dem deutschen Volke“ am Westportal angesammelt hat.

Glücklicherweise haben wir schon vorneweg eine Führung durch den Reichstag angefragt und laufen um das Gebäude herum zum Nordeingang, an dem unser Führer Frederick Koch, ein Mitarbeiter des SPD-Bundestagsabgeordneten Rainer Arnold, auf uns wartet.

Doch bevor es richtig losgehen kann, müssen wir durch eine Sicherheitskontrolle: Von oben bis unten werden wir abgetastet und auf Waffen untersucht, erst dann dürfen wir passieren und gelangen in einem gläsernen Aufzug eine Etage höher, auf die Besucherebene. … weiterlesen

22 Juli, 2010 Kein Kommentar

Zitat der Woche: Ein Studium nur für wohlhabende Studenten

von Anna Ruppert

»Förderung in der Breite und Förderung in der Spitze sind keine Alternativen, sondern zwei Seiten einer Medaille.«, Annette Schavan

Foto: "Mariesol Fumy" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Eine Erhöhung des Bafögs – davon ist schon lange die Rede, doch erreicht wurde dieses Ziel bisher nicht. Stattdessen hat es Annette Schavan gerade noch geschafft, ihr nationales Stipendienprogramm durchzusetzen. Das Stipendium in Höhe von 300 Euro soll an die besten zehn Prozent des Landes vergeben werden – unabhängig vom Einkommen der Eltern. Sicherlich möchte niemand seiner reichen Eltern wegen auf eine Anerkennung für ausgezeichnete Leistungen verzichten. Doch es wäre nicht zu viel verlangt, darauf zu achten, ob ein Stipendium überhaupt finanziell notwendig ist. Das funktioniert beim Bafög schließlich nicht anders, da es abhängig vom Vermögen der Eltern ausgezahlt wird. Einfach die besten zehn Prozent zu nehmen, ist zu kurz gedacht; dieses Kriterium geht weder auf bestimmte Begabungen ein, noch nimmt es Rücksicht auf soziales Engagement und andere Aktivitäten. Allein die schulische Leistung und nicht die Persönlichkeit stehen dabei im Vordergrund. Ein Auswahlverfahren per Bewerbung, Eignungsgespräch und Einbeziehung der Persönlichkeit wäre gerechter. Eine interessante Frage wäre, unter welchen Bedingungen man seine Leistungen erreicht hat. Während die einen in jeder Hinsicht gefördert werden konnten, mussten andere während der Schulzeit vielleicht jobben und haben trotzdem gute Leistungen erzielt. Studien beweisen, dass Kinder aus wirtschaftlich schwachen Familien weniger Stipendien erhalten als Kinder wohlhabender Eltern.
Somit stellt sich auch für den Steuerzahler die Frage, warum er ein Studium für wohlhabende Studenten finanzieren sollte, wenn er selbst wenig Geld hat und möglicherweise kaum die Bildung seiner eigenen Kinder finanzieren kann. Kein Wunder, dass die Chancengleichheit in Deutschland sehr gering ist, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern.

14 Juli, 2010 Kein Kommentar

Ayoba Deutschland! Südafrikanische Deutschland-Fans

von Lisa Zeller

Ich höre überraschend viele deutsche Stimmen auf dem Fanfest in Kapstadt. Heute spielt Deutschland gegen Ghana und zum Public Viewing haben sich eine kleine Gruppe Fans beider Seiten versammelt. Doch ich bin auf der Suche nach einer Gruppe bestimmter Deutschland-Fans: gebürtigen Südafrikanern.

Ich treffe auf Gail, die tanzend eine Südafrika- und eine Deutschlandflagge schwingt. „Warum bist du Deutschland-Fan?“, frage ich sie. Sie lacht. „Wegen ihm!“, dabei zeigt sie auf ihren Freund, Jens, einen Deutschen. „Und weil sie gut sind!“

Weiter außerhalb der Menge stehen Norman und Shaun, zwei Südafrikaner in Deutschland-Montur. „Ich bin allgemein begeistert vom europäischen Fußball – und da find ich Deutschland halt am besten“, erzählt mir Norman und bläst in seine Vuvuzela. Shauns Vorliebe für das Deutschland-Team hat historische Hintergründe: „Ich bin seit Ende der 80er ein Fan von Deutschland. Während der Apartheid war bei uns im Land ja nichts mit Fußball. Mein Onkel war also ein Deutschland-Fan und wir haben bei ihm immer Fußball geschaut. Das hat dann auf mich abgefärbt. Wir haben zwar jetzt eine eigene Nationalmannschaft, aber Deutschland ist und bleibt mein Favorit!“

24 Juni, 2010 Kein Kommentar

»Die Sprachlosigkeit treibt mich an«

von Emilia von Senger

Sie fährt dorthin, wo Menschen Not leiden; Carolin Emcke hört zu, will verstehen und schreibt, unter anderem als Krisenreporterin für die ZEIT. Im NOIR-Interview erzählt sie von Dragshows in Jerusalem, ihrer Unzufriedenheit mit den deutschen Nachrichten und der Sprachlosigkeit traumatisierter Menschen.

Felix Gardolez Martinez, 65, erzählt Carolin Emcke seine Geschichte. - Foto: Thomas J. Mueller

Frau Emcke, Sie sind gerade aus Israel wiedergekommen. Können Sie eines Ihrer einprägsamsten Erlebnisse dort beschreiben?

Ich wollte ein Porträt über Jerusalem schreiben, ohne das zu wiederholen, was alle anderen schon über diese Stadt geschrieben haben. Die meisten Menschen, egal ob Christen, Juden oder Muslime, sehen Jerusalem mit religiösen oder historisierenden Augen, sie denken vor allem an die viertausendjährige Geschichte. Mein Erlebnis war ganz zeitgenössisch: Ich war in einer Drag Show (Transvestitenshow, Anmerk. d. Red.) mitten in Jerusalem. Auf der Bühne sangen und tanzten zwei Transvestiten zu Abba-Songs. Auf einmal aber zündeten sie Hanukkah-Kerzen an und sprachen den klassischen Segen. Eine Drag-Queen auf der Bühne mit leuchtenden Hanukkah-Kerzen in der Hand; das war das überraschendste und einprägsamste Moment meiner Reise. … weiterlesen

15 Juni, 2010 Kein Kommentar

Aktuelle Print-Ausgabe (NOIR 19)

Nachbarn kann man sich zwar nicht aussuchen, aber man kann ihnen begegnen. Und das tun wir von den unterschiedlichsten Seiten: Wie leben Nachbarn in Andalusien, im Nahen Osten, im Klassenzimmer? Außerdem geht es in der NOIR um Hamster-Missverständnisse, Streber-Opas und plötzlichen Postboten. Ihr lest von den Kriegsnarben in Bosnien-Herzegowina und zwei Studentinnen, die spontan im Westjordanland einen Dokumentarfilm gedreht haben. Besser nicht verpassen.
Viel Spaß beim Lesen! »

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