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Wo die wirklich wilden Kerle wohnen

von Anne Kratzer

Foto: privat

Anne Kratzer, 19 Jahre alt, hat im Juni in Schongau ihr Abitur gemacht und verbringt die Zeit bis zu ihrem Psychologiestudium im Oktober in Florianópolis, Brasilien, wo sie in einem Waisenhaus in einem Favela lebt und „spielt“.

Ich lebe in einem Waisenhaus in einem Brasilianischen Favela. 20 Jungs und Mädchen zwischen acht und 17 Jahren leben hier mit einer Köchin, Putzfrauen, verschiedenen „Ecudadores“, Sozialpädagogen und nun auch mir.

Die Jugendlichen sind Waisen oder wurden von ihren Familien vernachlässigt und gewalttätig behandelt. Sexueller Missbrauch scheint in vielen Familien fast auf der Tagesordnung zu stehen. Ich verbringe den Tag damit, den Jungs durch meine „Fußballunkünste“ das Leben zu versüßen und mich von den Mädels abschlabbern zu lassen. Küsschen gehören offensichtlich zum brasilianischen Grundbedürfnis. Genauso wie beherztes Rumschreien, Tanzen und die leidenschaftliche Verfolgung nicht weniger leidenschaftlicher Telenovelas.

Die Jugendlichen hier gehen täglich vier Stunden zur Schule. Außerdem nehmen sie an Projekten teil. Sie können unter bestimmten Auflagen arbeiten oder sich künstlerisch und sportlich betätigten. Sie lernen Capoeira, surfen, turnen, basteln oder spielen Fußball. … weiterlesen

22 September, 2010 Kein Kommentar

Die größte Vuvuzela der Welt

von Lisa Zeller

Nein, Kapstadt, es legt nicht alle paar Tage ein Dampfer am Kap an! Es ist die größte Vuvuzela der Welt! Ob man die reguläre Vuvuzela liebt oder hasst: Der erste Anblick dieser Riesenvuvuzela wird wohl allen den Atem rauben – und den Hörsinn. Anlässlich der Weltmeisterschaft hat die Firma Hyundai beschlossen, die Rekord-Vuvuzela zu erbauen. Sie wurde auch schon von Guiness-Mitarbeitern offiziell zur weltgrößten Vuvuzela erklärt. So wurde der Platz einer nicht fertig gebauten Highway-Brücke mitten in der Stadt genutzt, um den 35-Meter langen Koloss aufzustellen. Natürlich wurden keine halben Sachen gemacht: Die weltgrößte Vuvuzela muss natürlich auch den entsprechenden Ton von sich geben! Per Funk gesteuert gibt sie vor Anpfiff eines jeden Spiels den berühmten Vuvuzela-Ton von sich – mit einer Hörweite von geschätzt einer Meile! Zudem werden alle Tore auf einer digitalen Anzeige unter dem gigantischen Trichter der Vuvuzela gezählt. Heute ertönt sie wohl für lange Zeit zum letzten Mal.

Ein Zitat der Südafrikanerin Candice zur Vuvuzela:

„Sie ist einfach Bestandteil der südafrikanischen Sportkultur. Wer den Ton nicht mag, soll sie halt beim Feiern als Trinktrichter benutzen!“

Ob ihr nun zu den Vuvuzela-Fans oder zu den -hassern gehört: Eine Soundprobe möchte ich euch nicht vorenthalten.

11 Juli, 2010 2 Kommentare

Im Chaos der guten Hoffnung

von Lisa Zeller

Ich habe doch alles so gut geplant! Es wäre so ein tolles Bild geworden: Das Green Point Stadion in voller Pracht mit Schlange stehender Deutschland- und Argentinien-Fans und das Ganze im Glanz der strahlenden Sonne über Kapstadt. In der Schlange steh ich jetzt allerdings auch – und zwar im Auto. Ich hatte die Rechnung nämlich nicht mit der Stadt Kapstadt und der Fans gemacht, die alle den selben Weg antreten. Die Stadt Kapstadt hat nämlich beschlossen, während der WM die wichtigste Straße zum Stadion zu sperren, um den öffentlichen Verkehr und die Shuttle-Busse zu fördern. Hätten wir alle doch nur darauf zurückgegriffen! 

Stau schon lange vor Kapstadt - Foto: Lisa Zeller

Als ich nach einer Stunde die nächste Ausfahrt erreiche, überlege ich nicht lang: Ich gebe auf. Geh lieber zum Fanfest. Doch was ist das? Autos kommen nicht weiter. Zu groß ist die Zahl der Fans, die die Straße überqueren. Die Polizei muss den Verkehr eigenständig regeln. Ich stehe an der Ampel und schaue wie die Scharen die Straße versperren. Endlich stoppt die Polizei die Fußgänger und lässt die Autos passieren. Dabei spielt ja nicht mal eine afrikanische Mannschaft. Trotzdem ist das Chaos perfekt! Auf dem Weg vom Parkplatz zum Fanfest werde ich sogar Zeuge einer Schlägerei! Ein Autofahrer hat versucht, sich den Weg durch die Masse zu bahnen, wurde natürlich wütend, als ein Passant mit seiner Vuvuzela auf das Auto getrommelt hat. Die Security stoppt das Geschehen zum Glück sofort. … weiterlesen

6 Juli, 2010 Kein Kommentar

Ein Spiel, drei Farben und eine Gemeinschaft.

von Stefan Franke

„Gesichter“ - In allen Gesichtern ist das gleiche zu entdecken, Flaggen und Emotionen. Gestiken und Mimiken, die mehr sagen, als tausend Worte. - Foto: Stefan Franke

Das Sommermärchen war perfekt. Die Fußball Weltmeisterschaft im eigenen Land und der Titel zum greifen nahe. 2006 ging eine Welle der Euphorie durch unser Land, doch gereicht hat es nicht.

Jetzt, vier Jahre später, will jeder, der diese Euphorie aus 2006 bereits kannte, sie erneut erleben. Mit oder ohne Titel – was zählt ist Freude am Spiel, der Jubel wenn ein Tor fällt und die beinahe grenzenlose Empathie, die ein Sieg weckt.

Der 27.6.2010 wird in die Fußballgeschichte eingehen, ein Tor, welches keines wurde und die höchste WM Niederlage der Englischen Nationalmannschaft ihrer Fußball-­Geschichte. Ausgerechnet gegen Deutschland. … weiterlesen

29 Juni, 2010 Kein Kommentar

Ayoba Deutschland! Südafrikanische Deutschland-Fans

von Lisa Zeller

Ich höre überraschend viele deutsche Stimmen auf dem Fanfest in Kapstadt. Heute spielt Deutschland gegen Ghana und zum Public Viewing haben sich eine kleine Gruppe Fans beider Seiten versammelt. Doch ich bin auf der Suche nach einer Gruppe bestimmter Deutschland-Fans: gebürtigen Südafrikanern.

Ich treffe auf Gail, die tanzend eine Südafrika- und eine Deutschlandflagge schwingt. „Warum bist du Deutschland-Fan?“, frage ich sie. Sie lacht. „Wegen ihm!“, dabei zeigt sie auf ihren Freund, Jens, einen Deutschen. „Und weil sie gut sind!“

Weiter außerhalb der Menge stehen Norman und Shaun, zwei Südafrikaner in Deutschland-Montur. „Ich bin allgemein begeistert vom europäischen Fußball – und da find ich Deutschland halt am besten“, erzählt mir Norman und bläst in seine Vuvuzela. Shauns Vorliebe für das Deutschland-Team hat historische Hintergründe: „Ich bin seit Ende der 80er ein Fan von Deutschland. Während der Apartheid war bei uns im Land ja nichts mit Fußball. Mein Onkel war also ein Deutschland-Fan und wir haben bei ihm immer Fußball geschaut. Das hat dann auf mich abgefärbt. Wir haben zwar jetzt eine eigene Nationalmannschaft, aber Deutschland ist und bleibt mein Favorit!“

24 Juni, 2010 Kein Kommentar

Zitat der Woche: Gott und der Fußball

von Fabienne Kinzelmann

»Fußball ist eine große Religion«, Goddy Leye

Die Zeremonie hat begonnen

Vor einer Woche fiel der Startschuss für die WM 2010, die halbe Welt scheint jetzt aus dem Häuschen und mit den Gedanken im weit entfernten Südafrika zu sein. Dort zelebrieren die teilnehmenden Fußball-Mannschaften den Kult auf dem grünen Rasen und ihre Anhänger feiern via Public Viewing mit.

Es erinnert stark an einen Gottesdienst: Wie jede ordentliche Liturgie beginnt ein Fußballspiel mit Gesängen. Die Stadtmannschaften haben ihre Lieder, die Nationalmannschaften gleich ganze Hymnen. Wohl keinem Fußball-Fan würde es je einfallen, allein ins Stadion zu gehen; zum gemeinsam feiern, Bier trinken und (stoß-)beten versammelt man sich in großer Runde. Dann erfolgt der feierliche Einzug der handelnden Personen. … weiterlesen

20 Juni, 2010 Kein Kommentar

Bafana bafana!

von Lisa Zeller

„Bafana bafana“ – zu deutsch: „Die Jungs, die Jungs“ – wird die südafrikanische Nationalmannschaft liebevoll genannt. Man sollte bei so einem Spitznamen nicht denken, dass das südafrikanische Volk abfällig von ihrem eigenen Team denkt. „Es wird so peinlich für uns!“, sagten mir viele vor knapp vier Jahren, als feststand, dass die WM 2010 in Südafrika stattfinden wird. Auf Fragen wie: „Wann räumst du endlich dein Zimmer auf?“ wurde scherzhaft geantwortet: „Wenn Bafana wieder gewinnen!“ Nein, hinter ihrem Team standen die Südafrikaner wirklich nicht. Fast eine Woche nach Beginn des Verkaufs wurde in Südafrika noch kein einziges Ticket für Bafana-Spiele verkauft!

Doch vor dem Spiel gegen Mexiko ist von dieser Trägheit keine Spur mehr! Unterwegs treffe ich singende und tanzende Fans, von Kopf bis Fuß in Südafrika-Montur gekleidet. Ja, sie haben etwas länger gebraucht, aber man merkt: Die Südafrikaner stehen voll und ganz hinter ihrem Team! Jetzt heißt es: „Ich weiß, Bafana sind nicht die Besten, aber als sie am Freitag das Tor geschossen haben, hab ich am lautesten geschrien!“

Hier einige Fan-Bilder meiner Tour durch Kapstadt am Tag des ersten Spiels:

Bleibt nur zu hoffen, dass dieser neu gewonnene Zusammenhalt des Landes durch die Niederlage gegen Uruguay nicht verloren geht.

17 Juni, 2010 Kein Kommentar

Ayoba 2010 – Blog zur WM

von Lisa Zeller

Seit Tagen kann von Alltag nicht mehr die Rede sein: Meetings werden abgebrochen, Straßen blockiert und das Sicherheitspersonal hat alle Hände voll zu tun, die Massen in Schach zu halten! Zu groß ist die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft in Südafrika. Die Leute gehen in allen möglichen Fußball-Trikots auf die Straßen und machen Lärm. Die Stimmung ist „ayoba“ (ein südafrikanisches Trendwort für „cool“, „hammer“ oder auch „olé“) Egal, wohin man geht: Alles dreht sich um die WM 2010! Dabei ist Anpfiff zum ersten Spiel doch erst heute um 16 Uhr!

Bis zum 11. Juli wird die WM hier in Südafrika stattfinden. Ich habe das Glück, in diesem Jahr in Kapstadt zu sein und die Stimmung der Leute hautnah mitzuerleben.

Sogar ich, der die WM eigentlich total egal war, wurde vom „World Cup Fever“ angesteckt! So werde ich mich heute im gelb-grünen Südafrika T-Shirt auf den Weg zum Marktplatz machen und zusammen mit einer Horde wilder Fans das Eröffnungsspiel, Südafrika gegen Mexiko in Johannesburg, auf der Großleinwand anschauen.

In diesem Blog werde ich mehrere Aspekte der WM 2010, der südafrikanischen Fußball-Kultur und wie sie von der Bevölkerung in Kapstadt wahrgenommen wird, beleuchten.

Man kann es spüren! Es ist überall – und wirklich ayoba!

11 Juni, 2010 Kein Kommentar

Aktuelle Print-Ausgabe (NOIR 19)

Nachbarn kann man sich zwar nicht aussuchen, aber man kann ihnen begegnen. Und das tun wir von den unterschiedlichsten Seiten: Wie leben Nachbarn in Andalusien, im Nahen Osten, im Klassenzimmer? Außerdem geht es in der NOIR um Hamster-Missverständnisse, Streber-Opas und plötzlichen Postboten. Ihr lest von den Kriegsnarben in Bosnien-Herzegowina und zwei Studentinnen, die spontan im Westjordanland einen Dokumentarfilm gedreht haben. Besser nicht verpassen.
Viel Spaß beim Lesen! »

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