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Zitat der Woche: Weise Schwiegermutter

von Andreas Hensler

»Ungarischer Zigeuner«, Marisa Bruni Tedeschi

Foto: "Louisa Manz" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Eine Polizeikontrolle, ein Schuss, ein Toter, eine aufgebrachte Menge, ein zerstörtes Dorf. In Frankreich wird seit zwei Wochen kein anderes Thema mit derart viel Populismus geführt, als der richtige Umgang mit Sinti und Roma. Bei einer Polizeikontrolle, deren Umstände noch nicht vollständig geklärt sind, wurde ein Roma von der Polizei erschossen. Daraufhin randalierten Angehörige in dem Dorf der involvierten Gendarmerie Nationale.

Das rief Präsidenten Sarkozy auf den Plan den „super flic“ (Oberpolizisten) zu geben. Er bezeichnete die aktuelle Situation als “nationalen Krieg”. Die Lösungsvorschläge seiner Regierung sind nicht gänzlich unumstrittenen: Zur Diskussion stehen Ausweisung „illegaler“, nicht sesshafter Sinti und Roma bis hin zu dem Entzug der Staatsbürgerschaft. Zusätzlich kündigte Sarkozy’s Innenminister Brice Hortefeux an, die Hälfte der illegalen Stellplätze räumen zu lassen. … weiterlesen

7 August, 2010 Kein Kommentar

Ein Schwabe auf Abwegen – Sprachbarrieren

von Jan Zaiser

Foto: "Steffi Rettinger" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Norddeutsche essen nur Fisch und Süddeutsche gehen nur mit ihrer Tracht ins Geschäft. Doch das ist nicht das einzige, was uns unterscheidet. Gibt es klare Grenzen, wo Süddeutschland und Norddeutschland beginnen? Ja! Süddeutschland beginnt südlich der Elbe, Norddeutschland nördlich der Donau. Es genügt ein Blick ans andere Ufer, um das zu verstehen. Im besten Fall sind Blicke auch das einzige, was Nord- und Südlichter austauschen.

Nach bestandenem Abitur und 13 Punkten in Deutsch dachte ich, sprachlich meinem Auslandsaufenthalt gewachsen zu sein. 200 Tage und 5.000.000 Missverständnisse später weiß ich, wie weltfremd ich war! Als Schwabe in Kiel war Sprache für mich plötzlich nicht mehr das Mittel zur Verständigung. Die Horrorgeschichte beginnt am Stuttgarter Hauptbahnhof, als ich auf diese Menschensorte treffe, die einen mitten in der Nacht mit einem kräftigen „Moin moin“ begrüßt. Konnte sich dieser Bahnfahrer nicht bis zum Sonnenaufgang gedulden? Oder hat Rolf Zuckowski Recht, wenn er über die Sonne singt: „Im Norden ist sie nie zu sehen“? Wer in Dunkelheit aufwächst, tut sich schließlich schwer mit Tageszeiten und den passenden Grußformeln.Nach weiterem Rätselraten weihte mich ein Eingeborener in das Geheimnis ein: „Moin moin“ kommt nicht von „Guten Morgen“, sondern von „Na, mein Guter“. Ist doch sonnenklar. Sind Norddeutsche möglicherweise doch ganz okay? Mal unter uns. Was ist schlimmer: Jemand Fremden als „meinen guten Freund“ zu bezeichnen, oder ihm zu sagen, er möge doch bitte Gott von mir grüßen?

4 August, 2010 Kein Kommentar

Zitat der Woche: Ganz neue Töne von der Bahn

von Kai Mungenast

»Es wurden Fehler gemacht«, Bahnchef Rüdiger Grube

Foto: Dr. Rüdiger Grube; DB AG/Marc Darchinger

In den letzten Tagen waren die Zeitungen gefüllt mit immer wieder neuen Horrormeldungen aus den Zügen der Deutschen Bahn. Nun habe ich wagemutig den Selbsttest unternommen: Ich ging in Freiburg in den Hauptbahnhof, habe ein Ticket nach Karlsruhe gelöst und auf den ICE gewartet. Mit einer fünfminütigen Verspätung fuhr der weiße Hochgeschwindigkeitszug an Bahnsteig 1 ein, ich stieg ein. Kaum am Platz spürte ich einen kühlen Wind. Die Klimaanlage funktionierte perfekt und zeigte, wie Leistungsfähig sie sein kann. Die Herausforderung für die technische Anlage an diesem Tag war vermutlich nicht sehr hoch, schließlich hatten sich die heißen Temperaturen verabschiedet, gerademal 28 Grad konnte man draußen messen.

Also noch genug Luft, bis die Obergrenze der Klimaanlage in den Zügen erreicht ist. Wie nun bekannt wurde, soll diese bei 32 Grad liegen. Mit höheren Temperaturen haben die Ingenieure vor einigen Jahren wohl nicht gerechnet. Nun hatten wir vor einigen Tagen die warmen Spitzentage in diesem Jahr und die Technik versagte total: Mehrere jüngere und ältere Fahrgäste waren in den Fahrröhren gefangen, ohne frische Luft und ohne ausreichende Kühlung. Eine Kraftprobe für den Kreislauf, der bei manch einem Fahrgast versagte. Am Endbahnhof mussten dann Rettungskräfte alarmiert werden. Keine schöne Erfahrung, die mir bei meiner Fahrt zum Glück erspart blieb. … weiterlesen

27 Juli, 2010 1 Kommentar

Zitat der Woche: Ein Studium nur für wohlhabende Studenten

von Anna Ruppert

»Förderung in der Breite und Förderung in der Spitze sind keine Alternativen, sondern zwei Seiten einer Medaille.«, Annette Schavan

Foto: "Mariesol Fumy" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Eine Erhöhung des Bafögs – davon ist schon lange die Rede, doch erreicht wurde dieses Ziel bisher nicht. Stattdessen hat es Annette Schavan gerade noch geschafft, ihr nationales Stipendienprogramm durchzusetzen. Das Stipendium in Höhe von 300 Euro soll an die besten zehn Prozent des Landes vergeben werden – unabhängig vom Einkommen der Eltern. Sicherlich möchte niemand seiner reichen Eltern wegen auf eine Anerkennung für ausgezeichnete Leistungen verzichten. Doch es wäre nicht zu viel verlangt, darauf zu achten, ob ein Stipendium überhaupt finanziell notwendig ist. Das funktioniert beim Bafög schließlich nicht anders, da es abhängig vom Vermögen der Eltern ausgezahlt wird. Einfach die besten zehn Prozent zu nehmen, ist zu kurz gedacht; dieses Kriterium geht weder auf bestimmte Begabungen ein, noch nimmt es Rücksicht auf soziales Engagement und andere Aktivitäten. Allein die schulische Leistung und nicht die Persönlichkeit stehen dabei im Vordergrund. Ein Auswahlverfahren per Bewerbung, Eignungsgespräch und Einbeziehung der Persönlichkeit wäre gerechter. Eine interessante Frage wäre, unter welchen Bedingungen man seine Leistungen erreicht hat. Während die einen in jeder Hinsicht gefördert werden konnten, mussten andere während der Schulzeit vielleicht jobben und haben trotzdem gute Leistungen erzielt. Studien beweisen, dass Kinder aus wirtschaftlich schwachen Familien weniger Stipendien erhalten als Kinder wohlhabender Eltern.
Somit stellt sich auch für den Steuerzahler die Frage, warum er ein Studium für wohlhabende Studenten finanzieren sollte, wenn er selbst wenig Geld hat und möglicherweise kaum die Bildung seiner eigenen Kinder finanzieren kann. Kein Wunder, dass die Chancengleichheit in Deutschland sehr gering ist, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern.

14 Juli, 2010 Kein Kommentar

Zitat der Woche: Niedriger IQ, hohe Steuer!

von Kai Mungenast

»Ich bin für Intelligenztests bei Einwanderern.«, Peter Trapp, Berliner Abgeordnetenhaus, in der BILD

"Lisanne Döll" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Typischer Montagmorgen: Die Freude aus dem Wochenende nach dem grandiosen 4:1-Fußballsieg unserer Nationsmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Afrika über die englische Mannschaft gerät in den Medien langsam in den Hintergrund, da reist ein Berliner Politiker einen neuen Graben in Deutschland auf. Gegenüber der BILD-Zeitung forderte Peter Trapp neue Kriterien bei der Zuwanderung. Diese Forderung ist nicht neu, sie wird schon lange in allen Parteien diskutiert und ist nicht von der Hand zu weisen, schließlich erscheint manche bisherige Regelung undurchsichtig.

Trapp wagt sich mit seinem Vorschlag einen weiteren Schritt nach Vorne: Eine Einwanderung müsse seiner Ansicht nach dem Staat nützen. Einen Nutzen ziehe der Staat aus Einwandern, die mit einer guten Berufsausbildung und einer entsprechenden fachlichen Qualifikation einreisen. Weiter: Trapp fordert die Intelligenz der Einwanderer mit einem Test zu prüfen.

Damit fordert Trapp einen grundlegenden Wendepunkt des jahrelangen Verständnisses von Einwanderung. Wahren es bisher vor allem humane Gründe (beispielsweise um Menschen aus Kriegs- oder Katastrophenregionen Schutz zu gewähren und ihnen ein Aufwachsen und Leben in Sicherheit zu gewährleisten), weshalb wir unsere Gemeinschaft für Menschen aus anderen Ländern öffneten, blickt seine Forderung eigensinnig nur auf das Wohl unserer Gemeinschaft. Nicht der, der Hilfe braucht, kann sich auf Deutschland verlassen, sondern der, der uns hilft. Sicher, für die Einwanderung muss es Regeln geben und jeder Bürger, ob hier geboren oder nicht, muss sich in die Gemeinschaft der Bundesrepublik einbringen. Doch: Kapitale Bedingungen dürfen nicht vor humanen Bedingungen stehen. Liebe Sozialverbände, liebe Sozialpolitiker aller Parteien und liebe Kirchen, ich erwarte einen Aufschrei!

Vergessen hat Trapp bei seiner Forderung, mit welchem Maßstab er die Intelligenz messen möchte. Ab welchen IQ ist ein Einwandern erlaubt? Misst sich dieser Maßstab an den unserem Bundesdurchschnitt? Oder vielleicht sogar an den Spitzenpolitikern in Berlin? Und was, wenn wir feststellen, dass bei manch einem von uns ein solcher Intelligenztests zu einem denkbar niedrigen Ergebnis führt? Vielleicht wäre dann ein gestuftes Steuersystem ein daraus folgender Vorschlag eines Politikerkollegen: Je niedriger der IQ-Wert, desto höher die Steuer für die Staatskasse? Diese Forderung müssen wir hoffentlich nicht ernsthaft diskutieren und können uns wieder anderen Problemen widmen.

Eine der besten Antworten auf diese Forderung hatte der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus bei der CDU-Regionalkonferenz in Bühl gegeben, die auch hier ihre Gültigkeit hat: „Am Samstag zwischen 12 und 16 Uhr ist die beste Zeit für all diejenigen, die sonst nichts zu sagen haben.“ Ein Parteikollege aus der Basis in Baden ging mit seiner Forderung sogar noch einen Schritt weiter: „Wie wäre es für manche Politiker mit einem Seminar mit dem Titel ‚Einfach mal die Klappe halten‘?“

Noir Online – Zitat der Woche (Kommentar)

“Ich bin für Intelligenztests bei Einwanderern.” (Peter Trapp, Berliner Abgeordnetenhaus, in der BILD)

Typischer Montagmorgen: Die Freude aus dem Wochenende nach dem grandiosen 4:1-Fußballsieg unserer Nationsmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Afrika über die englische Mannschaft gerät in den Medien langsam in den Hintergrund, da reist ein Berliner Politiker einen neuen Graben in Deutschland auf. Gegenüber der BILD-Zeitung forderte Peter Trapp neue Kriterien bei der Zuwanderung. Diese Forderung ist nicht neu, sie wird schon lange in allen Parteien diskutiert und ist nicht von der Hand zu weisen, schließlich erscheint manche bisherige Regelung undurchsichtig.

Trapp wagt sich mit seinem Vorschlag einen weiteren Schritt nach Vorne: Eine Einwanderung müsse seiner Ansicht nach dem Staat nützen. Einen Nutzen ziehe der Staat aus Einwandern, die mit einer guten Berufsausbildung und einer entsprechenden fachlichen Qualifikation einreisen. Weiter: Trapp fordert die Intelligenz der Einwanderer mit einem Test zu prüfen.

Damit fordert Trapp einen grundlegenden Wendepunkt des jahrelangen Verständnisses von Einwanderung. Wahren es bisher vor allem humane Gründe (beispielsweise um Menschen aus Kriegs- oder Katastrophenregionen Schutz zu gewähren und ihnen ein Aufwachsen und Leben in Sicherheit zu gewährleisten), weshalb wir unsere Gemeinschaft für Menschen aus anderen Ländern öffneten, blickt seine Forderung eigensinnig nur auf das Wohl unserer Gemeinschaft. Nicht der, der Hilfe braucht, kann sich auf Deutschland verlassen, sondern der, der uns hilft. Sicher, für die Einwanderung muss es Regeln geben und jeder Bürger, ob hier geboren oder nicht, muss sich in die Gemeinschaft der Bundesrepublik einbringen. Doch: Kapitale Bedingungen dürfen nicht vor humanen Bedingungen stehen. Liebe Sozialverbände, liebe Sozialpolitiker aller Parteien und liebe Kirchen, ich erwarte einen Aufschrei!

Vergessen hat Trapp bei seiner Forderung, mit welchem Maßstab er die Intelligenz messen möchte. Ab welchen IQ ist ein Einwandern erlaubt? Misst sich dieser Maßstab an den unserem Bundesdurchschnitt? Oder vielleicht sogar an den Spitzenpolitikern in Berlin? Und was, wenn wir feststellen, dass bei manch einem von uns ein solcher Intelligenztests zu einem denkbar niedrigen Ergebnis führt? Vielleicht wäre dann ein gestuftes Steuersystem ein daraus folgender Vorschlag eines Politikerkollegen: Je niedriger der IQ-Wert, desto höher die Steuer für die Staatskasse? Diese Forderung müssen wir hoffentlich nicht ernsthaft diskutieren und können uns wieder anderen Problemen widmen.

Eine der besten Antworten auf diese Forderung hatte der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus bei der CDU-Regionalkonferenz in Bühl gegeben, die auch hier ihre Gültigkeit hat: „Am Samstag zwischen 12 und 16 Uhr ist die beste Zeit für all diejenigen, die sonst nichts zu sagen haben.“ Ein Parteikollege aus der Basis in Baden ging mit seiner Forderung sogar noch einen Schritt weiter: „Wie wäre es für manche Politiker mit einem Seminar mit dem Titel ‚Einfach mal die Klappe halten‘?“

28 Juni, 2010 Kein Kommentar

Zitat der Woche: Gott und der Fußball

von Fabienne Kinzelmann

»Fußball ist eine große Religion«, Goddy Leye

Die Zeremonie hat begonnen

Vor einer Woche fiel der Startschuss für die WM 2010, die halbe Welt scheint jetzt aus dem Häuschen und mit den Gedanken im weit entfernten Südafrika zu sein. Dort zelebrieren die teilnehmenden Fußball-Mannschaften den Kult auf dem grünen Rasen und ihre Anhänger feiern via Public Viewing mit.

Es erinnert stark an einen Gottesdienst: Wie jede ordentliche Liturgie beginnt ein Fußballspiel mit Gesängen. Die Stadtmannschaften haben ihre Lieder, die Nationalmannschaften gleich ganze Hymnen. Wohl keinem Fußball-Fan würde es je einfallen, allein ins Stadion zu gehen; zum gemeinsam feiern, Bier trinken und (stoß-)beten versammelt man sich in großer Runde. Dann erfolgt der feierliche Einzug der handelnden Personen. … weiterlesen

20 Juni, 2010 Kein Kommentar

Zitat der Woche: Die Wildsau im Garten

von Andreas Hensler

»Die CSU ist als Wildsau aufgetreten, sie hat sich nur destruktiv gezeigt«, Daniel Bahr

Die Wildsau scharrt im Garten der Gurkentruppe

Der Zoff in der Koalition dauert an, diese Woche bekam er eine neue Form: Schrebergartenmetaphorik. Jetzt gibt es keine FDP und CSU mehr, sondern nur verfeindete Wildsäue und Gurkenbeetbesitzer. Eigentlich wollte Schrebergärtnerin Merkel die ersten Sonnenstrahlen genießen,  doch gegen Wildsäue und Gurkentruppen ist kein Kraut gewachsen.

Kämpfen zwei Rivalen miteinander, dann wird mit den Hinterbeinen gescharrt, der Kiefer gewetzt. Es bildet sich Schaum am Maul, der Kopf ist gesenkt. Verlässt bis dahin kein Beteiligter das Duell, kommt es zum echten Kampf mit Hieben gegen Bauch und Körperseite. Schlimmstenfalls kann es zu heftig blutenden Verletzungen führen. Zum Ende des Kampfes kommt es erst, wenn eines der Tiere flieht. … weiterlesen

14 Juni, 2010 Kein Kommentar

Aktuelle Print-Ausgabe (NOIR 19)

Nachbarn kann man sich zwar nicht aussuchen, aber man kann ihnen begegnen. Und das tun wir von den unterschiedlichsten Seiten: Wie leben Nachbarn in Andalusien, im Nahen Osten, im Klassenzimmer? Außerdem geht es in der NOIR um Hamster-Missverständnisse, Streber-Opas und plötzlichen Postboten. Ihr lest von den Kriegsnarben in Bosnien-Herzegowina und zwei Studentinnen, die spontan im Westjordanland einen Dokumentarfilm gedreht haben. Besser nicht verpassen.
Viel Spaß beim Lesen! »

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