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Kachelmann-Prozess: Eine Bilanz

von Julien Ferrat

Medienrummel im Kachelmann-Prozessl - Foto: Julien Ferrat

Ursprünglich sollte kurz vor Weihnachten am 21. Dezember das Urteil im Kachelmann-Prozess gesprochen werden. Doch daraus wurde nichts. Die Urteilsverkündung wurde zum zweiten Mal verschoben und wird nun für den 31. März erwartet. Seit knapp vier Monaten wird inzwischen im Saal 1 des Landgerichts Mannheim nach der Wahrheit gesucht.

Länger als 20 Stunden hat die Ex-Geliebte Claudia D. unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor Gericht ausgesagt. Dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird, ist in diesem Prozess keine Seltenheit. Ähnlich wie im Spielfilm „Und täglich grüßt das Murmeltier“ wiederholt sich immer wieder erneut derselbe Ablauf. Jemand beantragt den Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Richter und Schöffen ziehen sich zur Beratung zurück. Nach einer rund 10-minütigen Verhandlungsunterbrechung verkündet der Vorsitzende Richter Michael Seidling seine stets gleiche Entscheidung in fast dem selben Wortlaut: „Für die weitere Vernehmung wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen, da Umstände aus dem persönlichen und intimen Lebensbereich der Zeugin und des Angeklagten zur Sprache kommen deren Schutz das Interesse der Öffentlichkeit deutlich überwiegt.“ Die Journalisten und Zuschauer werden des Raumes verwiesen, Polizeibeamte durchsuchen den Gerichtssaal nach Wanzen und Abhörgeräten. Das öffentliche Interesse nimmt folglich kontinuierlich ab. Am zwölften Verhandlungstag sind nur noch zwei Zuschauer im Publikum, ehe der Ausschluss der Öffentlichkeit verkündet wird. In den Prozess wird kaum Einblick gewährt, umso wichtiger erscheinen die öffentlichen Statements der Prozessbeteiligten. Die Bewertungen könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein. Kachelmann-Anwalt Reinhard Birkenstock verkündet: „Mit jeder Stunde, die die Vernehmung andauert, werde ich zuversichtlicher“. Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge kann darauf angesprochen nur lachen: „Ich halte das für Wunschdenken.“ … weiterlesen

3 Januar, 2011 Kein Kommentar

Kachelmann-Prozess: Eine Analyse

von Julien Ferrat

Foto: Julien Ferrat

Ist der Meteorologe und Fernsehmoderator Jörg Kachelmann schuldig oder nicht? Diese Frage müssen zurzeit die Richter am Landgericht Mannheim mithilfe von Sachverständigen klären. Doch wer von den Beteiligten ist befangen und wer nicht? Zehn Prozesstage sind inzwischen vergangen. Zeit genug, um eine erste Zwischenbilanz zu ziehen.

Nach 132 Tagen Untersuchungshaft wird Jörg Kachelmann am 29. Juli 2010 aufgrund einer Entscheidung des Oberlandesgerichtes Karlsruhe aus der JVA Mannheim freigelassen. Nicht die Tatsache an sich, sondern vielmehr die Begründung der Richter in Karlsruhe sorgt für Aufsehen. Die Richter betonen nämlich, dass „kein dringender Tatverdacht“ mehr gegen den Beschuldigten Jörg Kachelmann vorliege. Nicht auszuschließen sei es laut der Begründung des Oberlandesgerichtes, dass das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer Claudia D. den Schweizer Wetterexperten falsch belasten wolle. Die Justizbehörde begründet ihre Entscheidung damit, dass das mutmaßliche Opfer, das im Prozess ebenfalls als Nebenklägerin auftritt, bei der polizeilichen Vernehmung in einigen Fragen erwiesenermaßen gelogen habe. Hinsichtlich der Verletzungen stellt das Gericht fest, dass „neben einer Fremdbeibringung auch eine Selbstbeibringung nicht ausgeschlossen“ werden könne. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch das Landgericht haben eine mögliche Falschaussage des mutmaßlichen Opfers bisher jedoch stets außer Acht gelassen und die Schilderung Jörg Kachelmanns als „wenig plausibel“ erachtet. In einem Interview mit dem Kölner EXPRESS geht Kachelmanns Medienanwalt Ralf Höcker deshalb sogar so weit der Staatsanwaltschaft „blinden Jagdeifer, schlampige Ermittlungsarbeit und unseriöse Verfahrenstrickserein“ vorzuwerfen.

Zwei Richter werden der Befangenheit bezichtigt

Sechs Wochen später soll es zum ersten Verhandlungstag kommen. Der Prozessauftakt ist auf Montag, den 6. September, 9:00 Uhr angesetzt. Wie das Landgericht Mannheim in einer Pressemitteilung bekannt gibt, sind rund 80 Plätze für die Öffentlichkeit vorgesehen, Einlass ist um 7:30 Uhr. Schaulustige und „juristisch Interessierte“ warten bereits eine halbe Stunde vor Einlass in einer Schlange. Zu diesem Zeitpunkt ahnen sie noch nicht, dass ihr zweistündiges Ausharren bis zur Hauptverhandlung ihnen nur ein sehr kurzes Schauspiel bescheren wird. Während alle auf den Beginn der Verhandlung warten, reicht Kachelmanns Strafverteidiger Reinhard Birkenstock nämlich den 67-seitigen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden der 5. Großen Strafkammer, Michael Seidling, und seine Beisitzerin Daniela Bültmann ein. Der Befangenheitsantrag richtet sich vor allem gegen Richter Seidling, der im Nachbarort des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers wohnt und ihren Vater aus seiner Vereinstätigkeit kennen soll. Der Richter ist stellvertretender Vorsitzender des TSV Oftersheim, der Vater des mutmaßlichen Opfers ehemaliger Vorsitzender und Ehrenmitglied des TV Schwetzingen. Beide Sportvereine bilden gemeinsam die Handballgemeinschaft Oftersheim/Schwetzingen. In der Schwetzinger Zeitung hat Michael Seidling jedoch betont: „Ich kenne die Familie nicht.“ Im selben Artikel spricht der Richter allerdings nicht von einem mutmaßlichen Opfer, sondern schlicht von einem Opfer. Kachelmanns Verteidigung wertet dies als fehlende Unvoreingenommenheit. Seidling sitzt zudem für die Freien Wähler in seinem Heimatort Oftersheim im Gemeinderat. Oberbürgermeister René Pöltl aus dem Tatort Schwetzingen, der ebenfalls von den Freien Wählern unterstützt wird, hatte während der U-Haft Kachelmanns verkündet, dass er das mutmaßliche Opfer für „äußerst glaubwürdig“ halte. In den Medien wird folglich spekuliert, ob Kachelmanns Strafverteidiger Reinhard Birkenstock, der als ehemaliger SPD-Stadtrat mit politischen Abläufen auf Gemeindeebene vertraut ist, dem 60-jährigen Richter nun unterstelle ein öffentlichkeitswirksames Urteil erwirken zu wollen. In Folge des Befangenheitsantrags wird der Prozess nach rund zehn Minuten vertagt. Unmut und enttäuschte Gesichter machen sich im Publikum breit. Viele haben sich mehr erhofft. … weiterlesen

19 Oktober, 2010 Kein Kommentar

Me, Myself and I

von Celina Ponz

Wie viel Egoismus ist gesund? Wo fängt er überhaupt an und wo hört er auf?

Wenn ich zu spät zu einem Treffen komme, weil ich noch schnell den guten Artikel fertig lesen wollte, wenn ich nicht wahrnehme, dass es meiner besten Freundin schlecht geht, wenn ich ein Gespräch nur führe, um meine Meinung mitzuteilen – bin ich dann egoistisch? Wenn ich in Kauf nehme, jemandem weh zu tun, um mein Ziel zu erreichen, wenn ich stärker als andere sein will, wenn ich gewinnen will, wenn ich auffallen will, wenn ich nehmen, aber nicht geben will, bin ich dann egoistisch? … weiterlesen

8 März, 2010 Kein Kommentar

Im Herzen ein Landwirt

von Marcus Latton

Sören Binder sitzt im Chefsessel der Jugendmedientage-Organisation.

60 Minuten Alltag im Orga-Büro. Gebäude drei, zweiter Stock, Raum 210, 15:15 Uhr. Das Orga-Büro in der Hochschule Mannheim. Sören Binder sitzt entspannt, hin und wieder schnaufend, auf seinem Bürostuhl und denkt nach. „Wie viele Eiswürfel brauchen wir? Und wie viele Servietten? Tausend?“, … weiterlesen

1 März, 2010 Kein Kommentar

Aktuelle Print-Ausgabe (NOIR 19)

Nachbarn kann man sich zwar nicht aussuchen, aber man kann ihnen begegnen. Und das tun wir von den unterschiedlichsten Seiten: Wie leben Nachbarn in Andalusien, im Nahen Osten, im Klassenzimmer? Außerdem geht es in der NOIR um Hamster-Missverständnisse, Streber-Opas und plötzlichen Postboten. Ihr lest von den Kriegsnarben in Bosnien-Herzegowina und zwei Studentinnen, die spontan im Westjordanland einen Dokumentarfilm gedreht haben. Besser nicht verpassen.
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