Home » Sommer » Letzte Artikel:

Aus Winter wird Sommer

von Andreas Hensler

Die weiße Moschee in Gračanica. - Foto: Andreas Hensler

In Bosnien kommt, mit etwas Verspätung, auch der Herbst. Die Menschen aus meiner Stadt sagen, alle Jahreszeiten sind hier extrem: Eisiger Winter, richtiger Sommer, goldener Herbst und der schönste Frühling. Doch der Wechsel zwischen den Jahreszeiten ist abrupt.

Der Weg zur Schule war stellenweise eher ein Matschacker mit wunderschönen Seenlandschaften. Man danke es dem bosnischen Regen. Es wurde richtig kalt. Der Schwedenpulli das einzige Mittel, das Festfrieren an den gefühlt kälteren Eisengegenständen zu vermeiden. Das Deutsch-Vorbereitungszimmer in meiner Schule ist auf  der Ostseite des Gebäudes. Der Beginn der Heizperiode lässt auf sich warten und eine Erwärmung durch die Sonne ist ausgeschlossen. Die einzige Wärmequelle: Kaffee, Kaffee, Kaffee und der geliebte Schwedenpulli.

Dem Hausmeister kann man nicht vorwerfen, er würde nichts tun. Das Gebäude ist gepflegt, glänzt und sauber. Doch, dass er an den bisher kältesten Tagen damit beginnt, die Fenster des Deutsch-Vorbereitungszimmers zu streichen, dass sollte man ihm schon übel nehmen. Denn für zwei Tage war der einzige Schutzwall zwischen der noch kälteren Außentemperatur einfach ausgebaut. Das Zimmer wurde zum Sperrgebiet, wollte man nicht erfrieren.

Der Hausmeister baute die Fenster wieder ein. Ich lobte ihn zwar für die frische Farbe auf dem Rahmen, erwärmte mich innerlich aber nur an dem Anblick des geschlossenen Fensters. In der Stadt sind bis auf das Rathaus und die Schule wenige Häuser an das Zentralheizungssystem angeschlossen. Dort feuert man mit Kohle, um zu heizen. Macht das die gesamte Stadt, dann hängt allabendlich eine Smog-Wolke in der Luft, die den Blick gen Himmel versperrt und im Rachenraum ein Dauerkratzen hervorruft. So oder so ähnlich, muss wohl früher das Ruhrgebiet gewesen sein, denke ich oft. … weiterlesen

25 Oktober, 2010 1 Kommentar

Kurz. Knapp. Sexy.

von Anna Ruppert

Kaum wird es Sommer ist er wieder da: Der Minirock

Foto: "Bina Schneider" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by)

Was ist kurz, knapp und sexy? Das kann doch nur der Minirock sein. Der ist heute noch so aktuell wie in den 60ern, als Frauen sich erstmals wagten so ein knappes Kleidungsstück zu tragen. Doch rockt der Mini immer noch oder ist er einfach nur peinlich?

Während heute Stars wie Britney  Spears mit gürtelbreiten Röcken ohne etwas drunter aus dem Auto steigen und der ganzen Welt einen Blick in ihren Intimbereich präsentieren, hatte der Mini anfänglich eine ganz andere Bedeutung. Als die britische Modeschöpferin Mary Quant den Mini in den sechziger Jahren zur Welt brachte, führte sie eine gesellschaftliche Revolution herbei: Das Kleidungstück war so gewagt, dass es einen Skandal auslöste und für weibliche Reize und Emanzipation gleichermaßen stand. Außerdem stärkte er das Selbstbewusstsein vieler Frauen und brachte die  Sechziger noch viel mehr in Schwung.

Doch wie kam Mary Quant überhaupt auf die Idee, ein so skandalöses Kleidungsstück zu erfinden? Die Mode der 50er Jahre war zu spießig und prüde gewesen. Als dann auch noch Coco Chanel behauptete, der hässlichste Körperteil eines Menschen sei das Knie, schnitt die Designerin Mary Quant protestierend ihre Röcke einfach bis zu zehn Zentimetern über dem Knie ab und verkaufte sie so in ihrem Laden in London. … weiterlesen

28 Juni, 2010 1 Kommentar

Orthopädische Katastrophe

von Miriam Kumpf

Schon Jesus lief damit durch die Bibel und die Römer durch die Weltgeschichte: Sandalen. Während diese, vor allem in der Kombination mit Socken, oft als modischer  Fauxpas gelten, sind Flip Flops mittlerweile salonfähig. Gesund sind sie deswegen noch lange nicht.

Foto: "Laura Rü." / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Krämpfe, eine verspannte Wadenmuskulatur, mangelnder Halt für den Fuß, eine erhöhte Unfallgefahr, unschöne Hornhaut und ein Watschelgang, der alles andere als sexy ist: Orthopäden und Fußpfleger haben Flip Flops schon lange auf dem Kicker. Schlimmer sind nur noch Pumps und Crocs.

Dabei spielt Zeit beim Tragen vom Flip Flops eine wichtige Rolle: Wer darin nur kurz zum Bäcker schlappt, muss keine langfristigen Haltungsschäden befürchten. „Grundsätzlich ist gegen diese Art von Schuhen nichts einzuwenden“, sagt Mechthild Geismann, die Sprecherin des Zentralverbands der Podologen und Fußpfleger Deutschlands. Die Expertin kann den Zehensandalen sogar einige Vorteile abgewinnen, denn „Flip Flops verlangen dem Fuß mehr Bewegung ab und trainieren so Zehen und Fußgelenke.“ Allerdings solle man Flip Flops nicht länger als ein, zwei Stunden tragen. … weiterlesen

23 Juni, 2010 Kein Kommentar

Unterwegs mit allen Sinnen

von Alice Watmann

Der Sommer ist da. Die Sonne lädt dazu ein, nach und nach unsere Hüllen fallen zu lassen. Manche Menschen verzichten auf ein ganz besonderes Kleidungsstück: die Schuhe

Sila Mnatwa ist eine begeisterte Barfuß-Läuferin. Seit fünf Jahren erkundet die im Kreis Stuttgart wohnende Frau bereits regelmäßig mit nackten Fußsohlen die Umgebung. Etwas Herrlicheres als den Boden direkt zu spüren und durch den Tastsinn etwas über seine Beschaffenheit zu erfahren, gibt es ihrer Meinung nach kaum: „Wenn ich meine Schuhe ausziehe, fühle ich mich, als würde zu meinen bisherigen Sinnen ein weiterer hinzukommen.“ Ob Kies, Gras und Sand, all diese alltäglichen Dinge erlebe Sila plötzlich viel intensiver. „In diesen Momenten zählt nur das Hier und Jetzt. Alles andere erscheint nebensächlich.“

Doch die Meinung der blondhaarigen Frau scheint nicht jeder zu teilen. „Viele Leute schauen mich schräg an, wenn ich ohne Schuhe durch die Stadt laufe.“ Gespräche hätten ihr gezeigt, dass Barfußlaufen oft als eklig oder unhygienisch verpönt ist. Verstehen will Sila diese Vorurteile aber nur teilweise. Sie wasche ihre Füße schließlich nach jedem ihrer Spaziergänge. … weiterlesen

10 Februar, 2010 Kein Kommentar

Aktuelle Print-Ausgabe (NOIR 19)

Nachbarn kann man sich zwar nicht aussuchen, aber man kann ihnen begegnen. Und das tun wir von den unterschiedlichsten Seiten: Wie leben Nachbarn in Andalusien, im Nahen Osten, im Klassenzimmer? Außerdem geht es in der NOIR um Hamster-Missverständnisse, Streber-Opas und plötzlichen Postboten. Ihr lest von den Kriegsnarben in Bosnien-Herzegowina und zwei Studentinnen, die spontan im Westjordanland einen Dokumentarfilm gedreht haben. Besser nicht verpassen.
Viel Spaß beim Lesen! »

Facebook

Kategorien