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»Die Sprachlosigkeit treibt mich an«

von Emilia von Senger

Sie fährt dorthin, wo Menschen Not leiden; Carolin Emcke hört zu, will verstehen und schreibt, unter anderem als Krisenreporterin für die ZEIT. Im NOIR-Interview erzählt sie von Dragshows in Jerusalem, ihrer Unzufriedenheit mit den deutschen Nachrichten und der Sprachlosigkeit traumatisierter Menschen.

Felix Gardolez Martinez, 65, erzählt Carolin Emcke seine Geschichte. - Foto: Thomas J. Mueller

Frau Emcke, Sie sind gerade aus Israel wiedergekommen. Können Sie eines Ihrer einprägsamsten Erlebnisse dort beschreiben?

Ich wollte ein Porträt über Jerusalem schreiben, ohne das zu wiederholen, was alle anderen schon über diese Stadt geschrieben haben. Die meisten Menschen, egal ob Christen, Juden oder Muslime, sehen Jerusalem mit religiösen oder historisierenden Augen, sie denken vor allem an die viertausendjährige Geschichte. Mein Erlebnis war ganz zeitgenössisch: Ich war in einer Drag Show (Transvestitenshow, Anmerk. d. Red.) mitten in Jerusalem. Auf der Bühne sangen und tanzten zwei Transvestiten zu Abba-Songs. Auf einmal aber zündeten sie Hanukkah-Kerzen an und sprachen den klassischen Segen. Eine Drag-Queen auf der Bühne mit leuchtenden Hanukkah-Kerzen in der Hand; das war das überraschendste und einprägsamste Moment meiner Reise. … weiterlesen

15 Juni, 2010 Kein Kommentar

»Fremde Kulturen sorgen für einen Tapetenwechsel«

von Ekaterina Eimer

Ein Interview über Reisetrends, Migration und das Problem von Balkonien-Urlaub. Ekaterina Eimer befragte PROFESSOR MATTER vom Institut für Volkskunde der Uni Freiburg

Reisen, unterwegs sein oder emigrieren ist heute so angesagt wie nie zuvor. Wo würden Sie den Beginn dieser Entwicklung ansetzen?

Wanderung und Migration sind überzeitlich. Das hat es schon immer gegeben. Zunächst ging es um Gold, Gewürze und wirtschaftliches Potenzial – Reisen und Erobern hat sich rentiert. Später kamen Ursachen wie Umsiedlung, Vertreibung, Armut und Klimakatastrophen hinzu. Bevölkerungsdruck und Entbehrungszustände führen immer dazu, dass Menschen auswandern in dem Glauben, anderswo ein besseres Leben vorzufinden. … weiterlesen

10 Februar, 2010 Kein Kommentar

Wir als Entwicklungshelfer?

von Jan Spreitzenbarth

Jan Spreitzenbarth fragt sich, wem Projekt- Tourismus eigentlich nützt

Für sozialen Ausgleich, für eine bessere Umwelt und für das Verständnis der Kulturen. Ob über das neue Freiwilligen- Programm „Weltwärts“, einem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) oder auf eigene Faust: Immer mehr deutsche Jugendliche gehen mit gutem Gewissen in sogenannte Entwicklungsländer. Sie haben den hehren Anspruch, ein kleines bisschen die Welt zu verbessern. Projekt-Tourismus heißt das Stichwort. Aber wem nützt das eigentlich? „Am meisten dir selbst“, meint die 19-jährige Lisa Bendiek, die in Tansania ein FÖJ absolviert. „Geh nicht nach Afrika, um zu helfen oder zu lehren!“ Afrikanische Intellektuelle wie der kenianische Wirtschaftsexperte James Shikwati fordern sogar ein sofortiges Einstellen jeglicher Hilfsprojekte. Denn sie führten nur immer tiefer in die Abhängigkeit. Pauschalreisen, Backpacking oder private Unterkünfte, die Auswahl ist groß. Reisen ist wirklich billig geworden, egal ob mit dem Auto, mit dem Bus oder in der Luft. Doch Achtung! Mit unserer Kaufkraft, mit unserem Reisedrang und unseren Billigurlauben können wir viel Schaden anrichten – ganz unbewusst und ungewollt. Der Kolonialismus sollte für alle ein warnendes Beispiel sein: Ohne das Land und die Kultur zu verstehen, kamen die Europäer, versuchten mit ihrer Waffengewalt ihre Kultur, Sprache und Regierungsform den Einheimischen aufzuzwingen. Wir waren es, die große Teile der ursprünglichen Kulturen verdrängt haben. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg brachten viele Länder die Kraft auf, die europäischen Eindringlinge aus ihrem Land zu vertreiben. Heute jedoch schlagen wir zurück: mit großen Hilfsprojekten, Entwicklungs- und Spendengeldern und vor allem mit vollen Urlaubskassen. In Thailand traf ich allen Ernstes einen korpulenten, deutschen Mann, der gerade aus einem „Massagesalon“ kam in dem Gefühl, ein kleiner Entwicklungshelfer zu sein. Versteht mich nicht falsch! Interkulturelles Verständnis, Fremdsprachenkenntnisse und Auslandserfahrungen tragen zur persönlichen Weiterentwicklung bei und werden in einer globalisierten Welt gefordert. Auch ich bin ausgerückt, die Welt zu verändern. Leider muss ich gestehen: Richtig helfen und etwas bewegen konnte ich dabei nicht.

10 Februar, 2010 Kein Kommentar

Leben mit leichtem Herzen

von Sabrina Kurth

„So glücklich wie ich, gibt es keinen Menschen unter der Sonne“, rief Hans im Glück, nachdem er alles verloren hatte. Doch die Sparkasse-Werbung „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ behauptet, nur wer Geld hat, wird glücklich. Woher kommt also das Glück? Und wem geben die alten Philosophen recht: Hans oder der Sparkasse?

Der vermutlich erste Philosoph, der eine komplette Glücksphilosophie entworfen hat, war Aristippos von Kyrene (435–355 v. Chr.). Für ihn ist Glück gleichbedeutend mit Lustgewinn. Das heißt: Alles, was dem Körper und der Seele gut tut, bringt Glück. Dabei unterscheidet er nicht zwischen verschiedenen Formen von Lust. Ob wir uns über einen warmen Sommerregen freuen, ein schönes Geburtstagsgeschenk oder die Geburt der kleinen Schwester, für Aristippos hätte das alles dieselbe Qualität. Sein Ziel war es, die Lust zu maximieren und keinen Schmerz zu haben. Ob andere dabei Glück empfinden, war nebensächlich. Was für ihn zählte, war nur das eigene Glück. Der einfachste Weg sei, so Aristippos, so viel Reichtum wie möglich anzuhäufen. 1:0 also für die Bankmethode. … weiterlesen

9 Februar, 2010 Kein Kommentar

Aktuelle Print-Ausgabe (NOIR 19)

Nachbarn kann man sich zwar nicht aussuchen, aber man kann ihnen begegnen. Und das tun wir von den unterschiedlichsten Seiten: Wie leben Nachbarn in Andalusien, im Nahen Osten, im Klassenzimmer? Außerdem geht es in der NOIR um Hamster-Missverständnisse, Streber-Opas und plötzlichen Postboten. Ihr lest von den Kriegsnarben in Bosnien-Herzegowina und zwei Studentinnen, die spontan im Westjordanland einen Dokumentarfilm gedreht haben. Besser nicht verpassen.
Viel Spaß beim Lesen! »

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